23. Juli 2021

Michael Diener wurde zum Prädikanten ordiniert: Tatkräftige Unterstützung für den Pfarrer


Im Berufsleben tischt der gelernte Koch gutbürgerliche und saisonale Küche im eigenen Lokal auf. Künftig wird man ihm auch regelmäßig im Talar begegnen. Denn Michael Diener, Gastwirt aus Saarbrücken-Bischmisheim, wurde zum Prädikanten ordiniert.

Nun wird der 60-jährige ehrenamtlich das Pfarrteam der evangelischen Kirche unterstützen.
Die Ordination bildete den Abschluss einer zweijährigen Zurüstung, in der grundlegende theologische und liturgische Kenntnisse vermittelt wurden.

Schon vor zwölf Jahren wurde der damals frisch ins Presbyterium gewählte Diener von seinem früheren Gemeindepfarrer auf die Prädikanten-Ausbildung angesprochen. Zu diesem Zeitpunkt war das aber kein Thema für ihn. „Ich wusste ja gar nicht, was das ist, ein Prädikant“, sagt er. Als er es dann erfuhr, war es dem Wirt des Gasthauses „Zur Linde“ eine Nummer zu groß.

Das änderte sich im Jahr 2016. Nach dem Wegzug des bisherigen Pfarrers war die Gemeindepfarrstelle an der Schinkelkirche monatelang vakant. Keine einfache Zeit für das Presbyterium, das Diener in dieser Zeit leitete. „Wir haben jeden Sonntag so gebibbert, ob jemand da ist, der Gottesdienst hält“, erinnert er sich zurück. Die kirchlichen Amtshandlungen mit auswärtigen Pfarrpersonen zu besetzen, war schwierig und aufwendig. Und immer wieder die Frage: Finden wir jemanden, der den Dienst übernimmt? Da sagte sich Diener, ganz pragmatisch, „Jetzt mache ich das!“ und bewarb sich als Prädikant.

Nach einigem Vorlauf und Wartezeit wurde ein Platz für den Kurs 2019/20 frei. Die Corona-Pandemie verzögerte dann aber nach Abschluss die Ordination. Zweimal schon war der entsprechende Gottesdienst geplant worden, zweimal musste er verschoben werden, ehe es nun unter freiem Himmel klappte, im Garten seiner Hauskirche, der Schinkelkirche Bischmisheim.

Mit der Ordination darf Diener nun beispielsweise Taufen und Trauungen durchführen – und natürlich Gottesdienste feiern. Inzwischen hat Bischmisheim zwar wieder einen Pfarrer, aber in Teilzeit. Unterstützung durch den neuen Prädikanten ist da gerne gesehen. Alle zwei oder drei Monate steht Diener nun im Predigtplan der Schinkelkirche.

Der hauptamtliche Pfarrer kann dadurch sorgenfrei Urlaub machen, weil ein Prädikant die Vertretung übernimmt – oder woanders aushelfen, wo Unterstützung gebraucht wird. Auch Diener könnte sich vorstellen, in Scheidt einzuspringen oder auch bei den Nachbarn in Brebach, wo bald die Pfarrstelle vakant sein wird. Schließlich müsse man sich gegenseitig unterstützen.

Außerdem möchte der neue Prädikant verstärkt in der Seniorenarbeit tätig werden, etwa beim Bischmisheimer Gemeindecafé, der „Gudd Stubb“. Schon jetzt leitet er den Fasten- und den Männerkreis der Kirchengemeinde und richtet das traditionelle „Frauenfrühstück“ aus. „Ich werde einfach bei vielem dabei sein, Begegnungen schaffen, was dann kommt, überlasse ich dem Zufall“, sagt Diener. Mit dieser Einstellung ist er als Wirt bisher gut durch die Pandemie gekommen.

Der Gottesdienst mit Ordination kann auf dem Youtube-Kanal der Kirchengemeinde angeschaut werden: Kanal „Schinkelkirche Bischmisheim“, Direktlink zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=vrqWU8VBsv0.

 

Hintergrund:

In der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) können ehrenamtlich und beruflich Mitarbeitende nach landeskirchlichen Vorbereitungskursen ordiniert und in den Dienst der Prädikantin oder des Prädikanten berufen werden.

Neben der Gabe der Wortverkündigung sollen Prädikantinnen und Prädikanten über eine ausreichende Allgemeinbildung und biblische Kenntnisse verfügen sowie Verständnis für theologische Fragen zeigen und sich im kirchlichen Leben bewährt haben.
Sie hießen in der EKiR bis Anfang 2004 „Predigthelfer" oder „Predigthelferin“, heute hat sich die Bezeichnung Prädikantin oder Prädikant durchgesetzt.

Sie kommen aus allen Altersgruppen, Berufen und sozialen Schichten und tun ihren Dienst im strikten Sinne ehrenamtlich. Dabei tragen sie in der Ausübung ihres Predigtdienstes ebenso wie die Pfarrerinnen und Pfarrer den Talar.

Im Saarland gibt es auf dem Gebiet des Kirchenkreisverbands An der Saar aktuell 34 Prädikantinnen und Prädikanten.





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